Der Kiez nach der Räumung – wütend, schockiert, aber es muss weitergehen!

Bericht von der Kiezversammlung am 16. August /

Report from the neighborhood meeting on August 16 (english below)

Bis zu 70 Menschen – zum Großteil aus dem Schillerkiez – fanden sich am Sonntag im Gemeinschaftsgarten Prachttomate ein, um über die Räumung des Syndikats und die eigenen Erlebnisse während der tagelangen, polizeilichen Belagerung zu sprechen.

„Ich bin bestürzt, das so etwas unter diesem Senat passieren konnte.“

Zu Beginn hatte jede:r in einer Runde die Möglichkeit über die eigenen Erfahrungen der vergangenen Tage zu reden. Viele der Statements waren sehr emotional und berührend. „Schockiert“ „Bestürzt“ und „Wütend“ waren die häufigsten Beschreibungen, der Polizei-Einsatz in dieser Form wurde durchgängig kritisiert und abgelehnt. Viele berichteten von Situationen, in denen sich Einsatzkräfte ihnen gegenüber anmaßend, einschüchternd und aggressiv verhalten haben.

Immer wieder wurde auch die Berichterstattung in den Medien, das generelle Verhalten des rot-rot-grünen Senats und einzelner Politiker:innen im Anschluss an die Räumung kritisiert. Mehrfach wurde bspw. ein Statement des stellvertretenden Bezirksbürgermeisters Falko Liecke genannt, der das Syndikat explizit nicht als Teil nachbarschaftlicher Infrastruktur sieht, sondern als reinen „Extremistenrückzugsort“, was deutlich mache, „das der Mann absolut keine Ahnung von dem Kiez hat“.

Jedesmal wenn ich draußen Schreie höre, will ich mich sofort anziehen und raus. Ich will niemanden mit dieser Polizei alleine lassen.“

Auch die anhaltende, massive Bestreifung der Weisestraße und des gesamten Schillerkiezes durch die Polizei, die wiederholten Verhaftungen und Platzverweise in den Tagen nach der Räumung wurden vielfach kritisiert. Ebenso wie die Securities, die sich seit der Räumung in einer Wohnung über dem Syndikat, aber auch oftmals in Gruppen auf der Straße aufhalten und bereits mehrfach durch abwertende, sexistische und homophobe Kommentare gegenüber Nachbar:innen aufgefallen sind.

Wir können das nicht so stehen lassen, es muss weitergehen.“

Immer wieder wurden aber auch positive Erfahrungen während dieser Zeit geäußert. Etwa das viele Nachbar:innen das Gefühl haben, durch die Belagerung als Kiez enger zusammen gerückt zu sein und das gerade in den Tagen danach viel Austausch auf der Straße und in den Häusern stattfand. Vielfach wurde der Wunsch geäußert, diese entstandene Verbundenheit weiter auszubauen und auch die Räumung nicht einfach so stehen zu lassen.

Aus dieser motivierten Stimmung heraus, bildeten sich spontan 8 (!) Arbeitsgruppen, die sich zu verschiedensten Themen austauschten, zum Teil schon konkrete Ideen entwickelten und sich innerhalb dieser Gruppen zum weiteren Arbeiten vernetzten. Dabei ging es bspw. um eine politische, rechtliche und mediale Aufarbeitung der Räumung und des Polizeieinsatzes. Eine Gruppe beschäftigte sich damit, wie die Sicht der Nachbarschaft breiter in die Medien und die Öffentlichkeit getragen werden, eine andere damit, wie der verlorene Raum für nachbarschaftliche Begegnung kreativ ersetzt werden kann. Andere Themen waren u.A. der Umgang mit den Securities in der Weisestraße und der immer noch übermäßigen Polizei-Präsenz im Kiez, oder dem spontan entstandenen, aber sich immer weiter verfestigenden, täglichen Cornern vor dem Syndikat.

Neben weiteren, innerhalb der Arbeitsgruppen vereinbarten Treffen, wurde sich entschieden in 2 Wochen, am 30. August, noch einmal zu einer großen Kiezversammlung zusammen zu kommen, um sich über die bisherigen Ergebnisse auszutauschen. Natürlich sind auch alle Menschen willkommen, die bei der 1. Versammlung nicht dabei sein konnten.

Schillerkiez bleibt solidarisch! – Syndikat Lebt!

Alle kursiven Sätze sind Originalzitate.


The neighbourhood after the eviction – angry, shocked, but we must carry on.

Report from the neighborhood meeting on August 16

Up to 70 people – mostly from the Schillerkiez – gathered in the Prachttomate community garden on Sunday to talk about the eviction of the Syndikat and their own experiences during the days of police occupation.

“I am shocked that such things could happen under this Senate.”

At the beginning, everyone was given the opportunity to talk about their own experiences of the past days. Many of the statements were very emotional and touching. “Shocked”, “dismayed” and “angry” were the most frequent descriptions, the police action in this form was criticized and rejected throughout. Many reported situations in which police forces behaved arrogantly, intimidating and aggressive towards them.

The media coverage, the general behaviour of the red-red-green senate and individual politicians following the eviction were also repeatedly criticised. Several times, for example, a statement by the deputy district mayor Falko Liecke was mentioned, who explicitly does not see the syndicate as part of neighbourhood infrastructure, but rather as a pure “extremist retreat”, which makes it clear “that the man has absolutely no idea about the neighbourhood”.

“Every time I hear screaming outside, I want to get dressed and get out. I don’t want to leave anyone alone with this police.”

The police’s continuous, massive patrols of Weisestraße and the entire Schillerkiez, the repeated arrests and dismissals in the days after the eviction were also widely criticized. The same applies to the securities, who since the eviction have been staying in an apartment above the Syndikat, but also often in groups on the street, and who have already repeatedly attracted attention through degrading, sexist and homophobic comments towards Neighbours.

“We can’t leave it like this, we must move on.”

But positive experiences were also repeatedly expressed during this time. For example, that many neighbours have the feeling that they have moved closer together due to the occupation as a neighbourhood and that especially in the days after the occupation there was a lot of exchange on the streets and in the houses. Many expressed the wish to further develop this connection and also not to leave the eviction just like that.

Out of this motivated atmosphere, 8 (!) working groups were spontaneously formed, which exchanged ideas on various topics, some of which already developed concrete ideas and networked within these groups for further work. The aim was, for example, a political, legal and medial analysis of the eviction and the police operation. One group was concerned with how the view of the neighbourhood could be more widely communicated to the media and the public, another with how the lost space for neighbourly exchange could be creatively replaced. Other topics included how to deal with the securities in Weisestraße and the still excessive police presence in the neighbourhood, or the spontaneously created but ever more solidifying daily corner in front of the Syndikat.

In addition to further meetings agreed upon within the working groups, it was decided to meet again in 2 weeks, on August 30th, for a large neighborhood meeting to discuss the results so far. Of course all people who could not be present at the 1st meeting are welcome.

Schillerkiez stays in solidarity! – Syndikat lives!

All italic sentences are original quotations.